In gleicher Weise wie 2008 die ökonomische Krise, die ohne Vorwarnung in
die Versprechen der Demokratie hereinbrach, leichtgläubig fortfahren zu
können im kontinuierlichen Hin- und Herschaukeln zwischen Kredit, Hypothek
und Scheiß-Arbeit, überfiel die politische Szene des spanischen Staates
eine Plenumsbewegung. Diese Bewegung lief den vom Kapitalismus
präparierten sozialen Mittelsmännern, Parteien und Gewerkschaften aus den
Händen und demonstriert, daß die Krise außerdem politisch und sozial ist.
Seit Mitte Mai 2011 sind die Plätze nahezu aller Städte und vieler Dörfer
von Akteuren besetzt, die mit der gegebenen politischen Repräsentation
gebrochen haben und die sich selbst als los Indignados (Die Entrüsteten)
präsentieren. Beim Schrei NEHMT DIE STRAßE bildeten sie Versammlungen
und argumentierten, das die kollektiven Probleme nur in kollektiver Form
zu lösen sind: im Königreich des Privaten, wo sich das von Kapital und
Staat fabrizierte Individuum versteckt, beginnen die Grenzen zu fallen.
Die anarchistische und autonome Bewegung, die historisch auf Versammlungen
zur Selbstorganisation gesetzt hat, um den Kampf auf die Straße zu bringen
und der Welt der Institutionen und des Staates keine Waffenruhe zu geben,
ist von den Ereignissen nicht unberührt geblieben, sondern hat sich im
Gegenteil von Beginn an der Parole angeschlossen: WIR SIND NICHT WARE IN
DEN HÄNDEN VON POLITIKERN UND BÄNKERN!
Aus dieser Perspektive laden wir zu einer kollektiven Lektüre über die
Bedeutung des 15M ein, um so außerdem besser verstehen zu können,
vielleicht als Kontrast, was die aktuelle Situation von Deutschland ist,
inmitten einer strukturellen Krise, deren Ende ehrlicherweise niemand
voraussagen kann, auch nicht, ob sie am Ende nicht die Lokomotive des
beschädigten Europa einholt.
* Es wird eine Ausstellung von Plakaten installiert sein, herausgegeben
von der anarchistischen Bewegung, in der ihre Vereinigung mit der
Plenumsbewegung und anderen Kämpfen zu beobachten ist.
Beginn: 19:00 Uhr, Öffnung der Austellung 18:00 Uhr
4 Mai, Veranstaltung in der anarchistischen Bibliothek Tempenst,
Reichenbergerstr. 63a 10999, Berlin




